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Auszüge aus dem Tagebuch eines Auswanderers

... zum Auswanderer

 

Sein Pass ist rot. Oben rechts auf der Frontseite steht "Schweizer Pass" in den vier Landessprachen und dazu auch noch in Englisch. Unter dem Text steht ein kleines, weisses Kreuz. Nennen wir ihn einfach Paul. Paul Faber.

 

Zwölf Jahre sind es nun her, dass Paul Faber sein Heimatland verlassen hat und nach Ägypten zog. Ägypten und im Speziellen Kairo hatten ihn schon immer fasziniert. Die unterschiedlichen Kulturen sowie die über 6'000 Jahre zurück reichende Geschichte hatten es ihm schon immer angetan.

 

6 Jahre später. Ein Projekt in China machte es unumgänglich, dass Paul Faber seine Zelte vorübergehend in China auf-schlagen musste. Beinahe 3 Jahre war seine Residenz in der Umgebung von Shanghai.

 

Seit etwa 3 Jahren residiert Paul Faber nun in Thailand. Nein, nicht in den südlichen oder nördlichen, ruhelosen Tou- risten-Orten, sondern im Nordosten, im Isaan. 

Dazwischen sind immer wieder Reisen, zum Beispiel nach China oder auch nach Europa nötig, um einzelnen Projekte zu bearbeiten.

 

Teilen wir mit ihm Ausschnitte aus seinem aktuellen Leben 

 

mitfahrenden „Passagiere“ haben es wirklich nicht leicht einen einigermassen angenehmen Platz zu finden.

Nach 15 Minuten ist der Handel beendet, der Reis gewogen und auf Qualität geprüft. Die Fahrt geht weiter dem eigentlichen Ziel entgegen.

So wie eigentlich überall in Thailand werden auf den Märkten neben Kleidern, Werkzeugen, Gebrauchsgegenständen aller Art und Lebensmitteln auch fertig zubereitete Speisen angeboten. Auch Lebensmittel, die bei uns nicht auf der Speisekarte stehen. Insekten aller Art. kleine Vögel, Ratten, Innereien wie Gedärme, getrockneter Fisch und Tintenfische. Kleine, mittlere und grosse Frösche. Auch eingelegtes wird angeboten, wie Fische, Fleisch und

30. November 2014 (Sonntag)

 

Es ist bereits 7.00 Uhr als Paul in eines der Sammeltaxis steigt, um nach Kuchinarai an den Sonntag-Markt zu fahren.

Immer sonntags früh um 6… 6.30 Uhr beginnt der Sonntagsmarkt in Kuchinarai. Aus den umliegenden Dörfern des Distrikt-Hauptortes pendeln Sammeltaxis hin und her. Es sind Pick-ups mit Sitzbänken auf der Brücke und einer Einsteigetreppe hinten. Oft werden gleichzeitig auch Waren Transportiert. Heute ein paar Säcke Reis, die auf halben Weg an den Reishändler in der Region verkauft werden soll.

Paul Faber ist froh, dass es nur ein paar wenige Säcke sind. Oft wird die Brücke mit Reissäcken vollgestopft und die

Gemüse. Entsprechend sind auch die „nasalen“ Strapazen, denen man auf einem solchen Mark ausgesetzt ist. Aber gerade solche Eindrücke machen einen Besuch solcher lokalen Märkte interessant und sie geben einen Einblick in die Esskultur der Region.  

Solch Essbares lässt auch Paul Faber das Wasser in seinem Munde nicht zusammenlaufen. Vermutlich wird er solche Sachen nie auch nur versuchen. Nun, alles gesehen, eingekauft was nötig war und zurück, entlang der Marktfahrer, welche Speisen zubereiten, zurück zum Sammeltaxi, das Paul wieder ins Dorf zurück bringt.  

1. Dezember 2014 (Montag)

 

Es ist Montag, und der Alltag hat Paul Faber wieder zurück. 5.15 erinnert das iPhone, dass es an der Zeit ist aufzustehen.  Danach duschen und anschliessend frühstücken. Pauls Frühstück ist kurz und einfach. Ein Joghurt dann eine bis zwei Tassen Kaffee. Zum Kaffee stöbert er Online-Zeitungen nach neuem durch.  Danach heisst es den Ruck-

sack packen und auf geht’s, der Kautschuk-plantage entgegen. Manchmal geht Paul die 4,5 km zu fuss, manchmal nimmt er das Motorrad. Jedenfalls beginnt Pauls Arbeit auf dem Feld meistens schon vor 7.00 Uhr.

Paul hatte bereits vor 5 Jahren um die 1‘200 Kautschukbäume gepflanzt. Nun sind sie in beachtlicher Grösse, so dass im nächsten Jahr bereits mit ernten begonnen werden kann. Die Bäume brauchen Dünger und Pflege. Das Land zwischen den Bäumen muss sporadisch von Gras und jungem Gehölz entsorgt werden. Es wird gefflügt und rund um die Bäume, etwa in einem Meter Radius wird das Gras von Hand entfern. Besonders jetzt, im Winter, ist das Arbeiten sehr angenehm. Es ist kühl und meistens bläst der Wind.

2. Dezember 2014 (Dienstag)

Keine besonderen und nennenswerte Vorkommnisse. Arbeiten bei den Bäumen

3. Dezember 2014 (Mittwoch)

Keine besonderen und nennenswerte Vorkommnisse. Arbeiten bei den Bäumen

4. Dezember 2014 (Donnerstag)

Keine besonderen und nennenswerte Vorkommnisse. Arbeiten bei den Bäumen

5. Dezember 2014 (Freitag)

 

Heute Freitag wird es in ganz Thailand wieder zu großen Feierlichkeiten in allen Landesteilen kommen. Die thailändische Bevölkerung, aber auch Menschen aus vielen anderen Nationen, wollen dem thailändischen Landesvater ihren großen Respekt bekunden und ihre tiefe Verehrung zum Ausdruck bringen. König Bhumibol Adulyadej feiert seinen 87. Geburtstag. An diesem für Thailand so überaus bedeutenden Tag, der auch gleichzeitig den thailändischen Vatertag darstellt, werden öffentliche Gebäude und Privathäuser landesweit liebevoll mit Porträts des Königs, Blumen und Flaggen dekoriert. An diesem Tag verzichtet Paul auf die Arbeit mit den Bäumen.

6. Dezember 2014 (Samstag)

Da sich Paul gestern etwas ausgeruht hatte, ist er heute wieder mit seinen Bäumen beschäftigt. Er ist froh, dass er dieses Jahr die enorme Arbeit nicht wieder von Tagelöhnern machen lässt, sondern selber Hand anlegt. Es gibt viele, durch unvorsichtiges Arbeiten, verletzten Bäume. Die Tagelöhner arbeiten nur um die 300-350 Baht pro Tag. Die meisten unmotiviert und desinteressiert. Wird die Hacke in den Baum geschlagen, wird nur mit den Achseln gezuckt.

Paul Faber hat sich diese Tätigkeiten als sportliche Betätigung definiert. Ein fast tägliches Training um sich fit zu halten, umso mehr er auch meistens zu fuß zu den Bäumen geht.  Sind es doch 9 km, hin und zurück. Es gefällt Paul, es macht ihm Freude. Auf die Frage warum er diese Arbeiten selber macht hat er immer eine passende Antwort zur Hand. So sagt er zum Beispiel, dass viele Leute viel Geld ausgeben um ins Fitness-Studio zu gehen und er sich die Summe, die er für die Tagelöhner ausgeben müsste, selbst verdient. Natürlich ist es keine Hilfe für die arme Bevölkerung hier, aber Paul ist der Meinung, dass grundsätzliche Faulheit nicht noch Unterstützung braucht. Denn oft arbeiten die Leute nicht, wenn sie etwas Geld haben. Und das will Paul nicht unterstützen.

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